Markus Lanz vs. der Mob im Internet

Gestern Abend war es soweit: mit der 200. Sendung „Wetten, dass..?“ übernahm Markus Lanz die Moderation Deutschlands erfolgreicher und beliebtester Samstag-Abend-Unterhaltungsshow. Es war das mediale Großereignis des Jahres. Ach, was sag´ ich: des Jahrtausends. Ca. 12 Millionen Menschen vor dem Fernseher, dutzende Journalisten und Medienexperten: alle hatten ihre Messer geschärft, um Lanz bei lebendigem Leibe zu zerhacken, würde er nicht mindestens dreihundertfünfundneuzig Mal so gut wie Thommy-Boy sein.
Die Latte wurde medial extra hoch gehängt.

Und so wurde „Wetten, dass…?“ gestern nicht nur zur Feuerprobe für Lanz, sondern auch zu einem Spiegelbild der Plumpheit & Starrsinnigkeit der Zuschauer

How comes?
Neben der Show verfolgte ich via iPhone die Liveticker von Focus-Online und Spiegel-Online sowie den Twitter-Stream #wettendass. Und was sich da bot glicht dem Blick in den Rachen eines arroganten Monsters.

Bereits nach wenigen Minuten fielen die ersten qualifizierten Urteile:

 

 
Immerhin erste Zweifel an der eigenen Meinungsbildung:

 

Die Social-Media-Task-Force vom ZDF hatte ordentlich zu tun und tat das auch mit einem ordentlichen Maß an souveränem Selbstbewusstsein.

Hier noch ein paar qualifizierte Vorschläge, wie die Nutzer selber vor Millionenpublikum durch den Abend führen würden: (Ha! Reingefallen: Sind doch nur Motz-Tweetes)

 

Überrascht war ich, wie wichtig die korrekte Positionierung der Bühnentechnik ist. Mir war´s bisher eigentlich schnurzegal, wie das da im Saal aussieht, Hauptsache ich hatte gute Sicht auf die Show. Aber ich lerne ja auch nicht aus:

Und dann diese Wetten!!! Das sich nach dem Unfall von Samuel Koch überhaupt noch jemand da hin wagt, dessen Wette nicht zumindest die mögliche Chance auf den Kandidatentot hat. In 200 Folgen „Wetten, dass…?“ gab es ja eigentlich nur Wetten, bei denen Menschen ihr Leib und Leben riskierten.

Und auch mit den Gebührengeldern der Zuschauer sollte plötzlich lockerer umgegangen werden. Vergesst doch die Wette und gebt den Kandidaten einfach direkt die Kohle. Yes!

Selbst vor den Kinder-Wettkandidaten machten die Verantwortlichen des SPIEGEL-Live-Tickers diesmal nicht halt: der Junge, der den kompletten Berliner S-Bahn-Fahrplan nebst Umsteigebahnhöfe im Kopf hat und der seine Wette mit beeindruckender Wortwahl fehlerfrei in Bestzeit absolviert, wird vom verantwortlichen Journalisten verhöhnt, indem er die Wette als „öde Realität“ bezeichnet. Alter geht´s noch?!

 

Nur wenige trauten sich gegen den tobenden Mob anzutreten. Wurden aber geflissentlich überhört.

(Ironie funktioniert im Netz nicht, Herr Böhmermann)

 

Markus Lanz sagte sinngemäß im Interview vor der Sendung: Wenn du alles liest, was über dich geschrieben wird, dann drehst du durch. Recht hat er damit.

Ergänzung: Das ZDF präsentiert eine eigene Web-App, mit der man den interaktiven Austausch mit der Generation Internet(?) sucht. „Ablästern Galore“, also!




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