Westbam und die Macht der Nacht

Auf ARTE (und Youtube) läuft derzeit die Doku „Bäm Bäm Westbam“

Westbam alias Maximilian Lenz ist der einflussreichste DJ Deutschlands und eine lebende Techno-Legende. Er ist Vorreiter, Querdenker, Musikliebhaber, Party-Macher und König der Turntables. Im März 2015 feierte der Mitinitiator der Loveparade seinen 50. Geburtstag. In einer sehr persönlichen Dokumentation schaut Westbam zurück auf seine 30-jährige Karriere.

Ich habe Westbam nie live erlebt (oder kann mich zumindest nicht mehr daran erinnern) und auch medial habe ich ihn nie wirklich verfolgt. Aber beim Ansehen der Dokumentation wurde für mich spürbar, welch erheblichen Beitrag zu meiner musikalischen Früherziehung beigetragen hat und wie er mich über die Jahre „begleitet“ hat. Sein 1991 erschienenes Album „A practising maniac at work“ ist für mich rückwärtig betrachtet wohl der Schlüssel zur Tür gewesen, vor der ich ab 89/90 etwas fragend stand. Mit „I can´t stop“ löste er damals das finale Rave-Signal aus und schickte mich auf den Weg der elektronischen Musik. Obwohl ich mich viel lieber in E-Werk und Tresor feierte, stand ich einige Jahre später auf der Loveparade und erlebte, wie es sich anfühlt, mit mehr als einer Millionen Menschen gleichzeitig zu feiern. Musikalisch hatte das alles nur noch recht wenig mit dem zu tun, was ich mochte und auch Westbams sozio-kulturelle Phantasiererei interessierten mich nicht mehr, sein Buch „Mix, Cuts & Scratches“ gab mir nichts und seine Members of Maydays lieferten fast nur Unhörbares ab. Dennoch scheint Maximilian Lenz für die musikalische Entwicklung und der internationalen Reputation der Deutschen Jugend einen nicht zu verachtenden Beitrag geleistet zu haben.

Fun-Fact: Irgendwann Mitte der 90er schickte ich ein DJ-Mixtape von mir an Marusha, die solch Stuff in ihrer Sendung „Rave Satellite“ auf Radio Fritz spielte. Und während mein Mix in der 2. Stunde lief, absolvierte Westbam´s Mix die erste Stunde.

Völlig vom Schirm verschwunden, tauchte Westbam für mich im Rahmen der Titelmusik zum großartigen „B-Movie – Lust & Sound in Berlin“ auf (Westbam feat. Richard Butler – You Need The Drugs). Wenn man ich mir die musikalische Reise des Westfalen Bambata von 1991 bis 2015 anschaue, ziehe ich mal das Basecap. Die Welt braucht mehr solcher Tüpen!




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